Zahlt der Strassengüterverkehr, was er verursacht?
Die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) sollte für mehr Kostenwahrheit im Güterverkehr sorgen und ist somit ein zentrales Element der Verlagerungspolitik. Es sind jedoch mehrere Anpassungen nötig.
Das Prinzip ist einfach: Wer Kosten verursacht, soll dafür bezahlen. Dazu gehören nicht nur die direkten Transportkosten, sondern auch Belastungen für Umwelt und Bevölkerung wie Luftverschmutzung, Stau, CO₂-Emissionen oder Lärm. Die LSVA sorgt dafür, dass der Strassengüterverkehr einen Teil der von ihm verursachten Kosten trägt. Gleichzeitig schafft sie Anreize, Güter von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.
Die maximale Höhe der LSVA ist zwischen der EU und der Schweiz im Landesverkehrsabkommen (LVA) geregelt. Für eine Transitfahrt von Basel nach Chiasso darf die Schweiz aktuell höchstens 344 Franken verlangen. Grundsätzlich gilt: Je stärker ein Lastwagen Umwelt und Bevölkerung belastet, desto höher die Abgabe. Obwohl der Schwerverkehr jährlich Kosten in Milliardenhöhe verursacht, schöpft die Schweiz den zulässigen Höchstbetrag bis heute nicht aus. Derzeit kostet die Fahrt von Basel nach Chiasso weniger als 300 Franken.
Nach über 20 Jahren stösst die LSVA an ihre Grenzen. Obwohl der Schwerverkehr jährlich ungedeckte Kosten von rund 3,4 Milliarden Franken verursacht, profitieren heute über 90 Prozent der Lastwagen von der günstigsten LSVA-Tarifkategorie. Die Folge: Die LSVA verliert ihre Lenkungswirkung, der Wettbewerb zwischen Strasse und Schiene gerät aus dem Gleichgewicht und Bund sowie Kantonen entgehen wichtige Einnahmen. Dabei bringt die LSVA jährlich rund 1,6 Milliarden Franken ein und ist eine zentrale Finanzierungsquelle für die Bahninfrastruktur. Damit die Verlagerungspolitik wirksam bleibt, braucht die LSVA eine ambitionierte Weiterentwicklung.
Zusammensetzung LSVA
Die LSVA ist eine vom Gesamtgewicht, der Emissionsstufe sowie den gefahrenen Kilometern in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein abhängige Abgabe für den Schwerverkehr.
3,5 Mrd. Franken
Dies sind die jährlichen externen Kosten des Schwerverkehrs, die nicht durch die LSVA abgedeckt werden. Für eine vollständige Abdeckung müsste die LSVA mehr als dreimal so hoch sein.
Einnahmeverwendung LSVA
1/3 der jährlich 1,6 Mrd. Franken LSVA-Einnahmen gehen an die Kantone. 2/3 gehen an den Bund und fliessen in den Bahninfrastrukturfonds (BIF).
Ausschöpfung der LSVA
Die LSVA ist ein zentrales Instrument der Verlagerungspolitik. Damit sie ihre Wirkung entfalten kann, muss die Schweiz den im Landverkehrsabkommen vorgesehenen Spielraum konsequent ausschöpfen. Für eine Transitfahrt von Basel nach Chiasso wären heute bis zu 344 Franken möglich. Verlangt werden jedoch weniger als 300 Franken. Gleichzeitig wurde die LSVA seit 2001 nur um 6 Prozent an die Teuerung angepasst, obwohl die Preise um mehr als 15 Prozent gestiegen sind. Allein 2024 führte dies zu Mindereinnahmen von rund 250 Millionen Franken. Der Strassengüterverkehr wird dadurch real immer günstiger und die Verlagerungswirkung der LSVA geschwächt.
Wie muss die LSVA angepasst werden?
Die aktuelle Form der LSVA ist klar unbefriedigend. Im Rahmen der Revision des Schwerverkehrsabgabegesetzes (SVAG) setzt sich Pro Alps insbesondere für drei Anpassungen der LSVA ein, damit die Verlagerung gestärkt und das Verursacherprinzip besser umgesetzt wird.
Kostenwahrheit statt Rabatte für Diesel-Lastwagen
Klimaschädliche Diesel-Lastwagen sollen künftig stärker zur Finanzierung der von ihnen verursachten Kosten beitragen. Hohe Rabatte für Diesel-Fahrzeuge senden die falschen Signale: Wer trotz verfügbaren E-Fahrzeugen weiterhin auf Diesel setzt, soll nicht jahrelang von Sonderpreisen profitieren. Die LSVA muss den Umstieg auf emissionsärmere Antriebe und die Verlagerung auf die Schiene fördern, statt fossile Antriebe künstlich zu verbilligen.
LSVA verlässlich an die Teuerung anpassen
Die LSVA darf nicht durch die Inflation schleichend an Wirkung verlieren. Seit ihrer Einführung wurde sie lediglich zweimal und insgesamt um rund 6 Prozent erhöht, obwohl die Preise im gleichen Zeitraum um mehr als 15 Prozent gestiegen sind. Eine verlässliche Teuerungsanpassung sorgt für Planungssicherheit und verhindert, dass der Strassengüterverkehr real immer günstiger wird. Die bisherig lückenhafte Inflationsanpassung führte allein im Jahr 2024 zu Mindereinnahmen von rund 250 Millionen Franken. Das ist ein Geschenk an die Lastwagenbranche und geht auf Kosten der Verlagerung.
E-Lastwagen rasch in die LSVA einbeziehen
Auch elektrisch angetriebene Lastwagen verursachen externe Kosten durch Platzverbrauch, Stau, Lärm und Luftverschmutzung. Die noch lange andauernde Befreiung von der LSVA verzerrt den Wettbewerb zulasten der Schiene. E-Lastwagen sollen deshalb möglichst rasch und verursachergerecht in die LSVA einbezogen werden. Gleichzeitig können zeitlich begrenzte und gezielte Anreize den Umstieg auf emissionsärmere Fahrzeuge unterstützen.
«Mehr Kostenwahrheit ist die Voraussetzung für eine wirksame Verlagerungspolitik.»
Was wir tun
Die LSVA muss zukunftstauglich gemacht werden. Pro Alps setzt sich dafür ein, dass der Schwerverkehr auf der Strasse endlich für die verursachten Kosten aufkommt und dadurch die Verlagerung auf die Schiene gestärkt wird.
Wir sensibilisieren
Wir bringen unsere kreativen und konstruktiven Ideen durch verschiedene Kanäle an die Öffentlichkeit. Dazu zählen unsere Medienarbeit, Präsenz an Konferenzen, sowie unsere Publikationen, Newsletter und Kommunikation über Social Media.
Wir überzeugen
Wir machen uns beim Bundesrat, Parlament sowie der Branche für einen ambitionierten Ansatz in der LSVA-Weiterentwicklung stark. Unser Plan beinhaltet konkrete Lösungsansätze und Massnahmen, so dass der Strassengüterverkehr endlich vollständig für seine Umwelt-, Lärm-, Unfall- und Staukosten aufkommt.
Wir aktivieren
Die externen Kosten des Schwerverkehrs werden durch Umwelt und Bevölkerung getragen. Lärm, Umweltschäden, Unfälle und Stau betreffen alle Menschen in der Schweiz. Deshalb machen wir mit Aktionen auf die unbefriedigende Situation aufmerksam und heben die Bedeutung der Weiterentwicklung der LSVA hervor.