Australischer Chardonnay brennt wie Teufelstropfen
20'860 Kilometer Weg macht Wein nicht besser: Chardonnay können Europas Winzer mindestens ebensogut herstellen. Folgerichtig erhält der Penfolds Koonunga Hill Chardonnay aus dem Angebot von Coop den «Teufelsstein» 2021 für den Transportunsinn des Jahres. Den «Bergkristall» gewinnt Revendo. Der Elektronik-Upcycler spart Transporte, weil er Smartphones und Laptops länger im Gebrauch hält.
Tabubruch bei der Teufelsstein-Vergabe 2021: Auch Genussmittel wie Wein, deren Geschmacksnoten einem bestimmten «Terroir», also der Lokalität, zugeschrieben werden, stehen neu im Fokus kritischer Konsumentinnen und Konsumenten. Der Penfolds Koonunga Hill Chardonnay von Coop gewinnt im Voting mit Abstand die meisten Stimmen vor dem auf nicht minder absurden Transportwegen herbeigeführten Himalaya-Salz aus dem Punjab (Globus). Oder dem slowenischen Bauholz, das Jumbo anbietet, ohne gleichzeitig alternativ Schweizer Holz zur Auswahl zu stellen. 
303 Gramm CO2 pro Flasche
«Egal wie gut der Penfolds Koonunga Hill Chardonnay vinifiziert ist: Mit diesem transportverschmutzten Wein will ich nicht anstossen», enerviert sich Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative, bei der Preisvergabe am Coop-Hauptsitz in Basel. Der Transport versetzt jeden Wein mit 303 Gramm oder gut 150 Litern unkomprimiertem CO2 in gasförmigem Zustand. Damit lassen sich 60 Luftballons aufblasen. Pro Flasche, nicht pro Gebinde. «Da wird mir speiübel.» Obwohl sich aus der robusten Chardonnay-Traube boden- und klimabedingt inzwischen weltweit eine Vielfalt an Geschmacksnoten vinifizieren lässt: Die Weintraube stammt ursprünglich aus dem Burgund. Jon Pult dazu: «Die Vielfalt der exquisiten Tropfen aus Frankreich, Italien und der Schweiz kann keinen Chardonnay-Liebhaber derart langweilen, dass er zur australischen Flasche greifen muss.» Besonders ärgerlich beim Chardonnay Penfolds Koonunga Hill von Coop: Das Flaschengewicht fährt mit, der Wein wird also nicht in Stahltanks verschifft und aus Umweltgründen erst in der Schweiz abgefüllt. 
Schweizer Überangebot an exotischen Weinen
Coop hätte als grösster Weinimporteur der Schweiz die Möglichkeit, Gegensteuer zu geben. Der Detailhändler importiert seit Jahren ein breites Weinsortiment des Qualitätsproduzenten Penfolds aus Magill in Südaustralien. Und ist damit bei weitem nicht der einzige. Jon Pult unterstreicht, dass auch beim Wein auf die Herkunftsetikette zu achten sei, nicht nur beim Wasser. «Transportunsinn bleibt Transportunsinn, auch bei Genussmitteln. Dafür wollen wir das Bewusstsein schärfen.» Coop sei allerdings nicht isoliert zu betrachten, räumt er ein: Dass der Detailhändler erst im zweiten Anlauf dazu bereit war, den Preis persönlich entgegenzunehmen, erachtet er gleichwohl als symptomatisch: «Unser Teufelsstein erwischt den Schweizer Weinhandel auf dem falschen Fuss. Er ist transportverseucht durch ein aktuelles Überangebot von Weinen aus Australien, Südamerika, Kalifornien und Südafrika.» Gleichzeitig das Bioweinangebot aufzustocken und ungebremst exotische Weine zu importieren: Das lasse sich nur aus Profitgier rechtfertigen. «Wir erwarten von den Detailhändlern, dass sie ihre ökologische Verantwortung wahrnehmen. Die billige Ausrede, sie würden damit nur dem Kundenwunsch entsprechen, können wir nicht gelten lassen.» Über 6000 Personen nahmen an der Abstimmung von Mitte Juli bis Mitte August teil und haben damit ein Zeichen gesetzt gegen den Transportwahnsinn bei Konsumgütern.